„Es ist fünf vor zwölf“

Nach der Sitzung am vergangenen Dienstag hat der Vorstand der Konstantin Elephants beschlossen, die Ergebnisse der zu diesem Anlass geführten Diskussion öffentlich zu machen. Das von Dirk Sitterle geführte Gespräch mit Dr. Friedrich W. Korsten, dem Vorsitzenden der Konstantin Elephants, geben wir im vollen Wortlaut im Folgenden wieder.

Mit schon fünf Niederlagen drohen die Konstantin Elephants in der Basketball-Regionalliga bereits vor Weihnachten das angestrebte Saisonziel Aufstieg aus den Augen zu verlieren. Vor der Partie am heutigen Samstag in Salzkotten hat sich darum der Vorsitzende Dr. Friedrich W. Korsten zu Wort gemeldet.

Herr Korsten, am Donnerstagabend haben Sie sich mit Trainer Heimo Förster zusammengesetzt, wackelt sein Stuhl?

Dr. Friedrich W. Korsten: Nein. Ich habe ihn zu einem Vier-Augen-Gespräch gebeten, um unbeeinflusst von allen emotionalen Dingen mal zu hören, wie seine Sicht der Lage ist. Denn ich schätze seine Art, mit den Dingen umzugehen.

Und Sie treten jetzt an die Öffentlichkeit, weil …

Korsten: … wir uns als Vorstand in der Verpflichtung sehen, zur Situation auch nach außen Stellung zu beziehen. Ganz klar: Wenn man die Anstrengungen sieht, die wir als Vorstand unternommen haben, Geld ranzuschaffen, wobei wir auch finanzielle Risiken eingegangen sind, um die Mannschaft auch in der Tiefe stark zu machen, ist das Ergebnis enttäuschend. Dabei wissen wir natürlich selber, dass man den Erfolg nicht kaufen kann.

Und jetzt? Welche Perspektive hat die Mannschaft noch?

Korsten: In den nächsten Spielen, das heutige eingeschlossen, treffen wir auf machbare Gegner. Da erwartet der Vorstand Siege!

Glauben Sie noch an den Aufstieg?

Korsten: Natürlich, auch Wulfen und Schwelm, das haben die beiden vergangenen Jahre ja gezeigt, werden nicht ungeschoren davonkommen. Unser Signal nach draußen: Es ist fünf vor zwölf! Wenn der Aufstieg überhaupt noch ein Thema sein soll, muss was passieren, das weiß der Trainer, das wissen die Spieler.

Aber was? Wechseln Sie das aktive Personal aus?

Korsten: Nein. An der Motivation der Mannschaft besteht kein Zweifel. Sie ist jung, dynamisch und sportlich vermögend. Aber in dem Bestreben, den Erfolg mit Gewalt zu erzwingen, verkrampft sie völlig. Dann traut sich keiner mehr zu werfen. Auch der Trainer kommt in solchen Situationen nicht mehr an die Spieler ran. Von einer semiprofessionellen Mannschaft erwarte ich aber, dass sie sich auf ihre Tugenden besinnt, einfach mal alles vergisst und Basketball spielt.

Aber bei Fans und den vielen ehrenamtlich tätigen Kräften macht sich langsam Frust breit. Es ist sogar von einer Söldner-Truppe die Rede, zumal ja mit Bastian Becker das einzige Eigengewächs von Bord gegangen ist.

Korsten: Auch wenn der Zuspruch etwas nachgelassen hat, haben wir in Grevenbroich das große Glück, dass unsere Fangemeinde immer den sechsten Mann dargestellt hat. Ich erwarte, dass sie auch jetzt in dieser kritischen Situation zum Verein steht. Und ich möchte noch mal klarstellen: Wir wollen jedem begabten Basketballer in Grevenbroich die Möglichkeit geben, in die erste Mannschaft zu kommen. Darum machen wir das ja alles.

Was passiert, wenn die Mannschaft trotz aller Appelle weiter verliert?

Korsten: Wenn die nächsten Spiele nicht so laufen wie wir uns das vorstellen, wenn das Ziel Aufstieg nicht mehr zu erreichen ist, kann der Kader nicht so bleiben wie er ist, schon alleine aus finanziellen Erwägungen. Um Weihnachten rum werden wir uns wieder zusammensetzen.

Könnte dann auch der Trainer zur Disposition stehen?

Korsten: Ich bin mir sicher, dass Heimo selber die Konsequenzen zieht, wenn er zu dem Schluß kommt, dass er nichts mehr erreichen kann.